FÖ 2008-1 – howisch

Comments: No Comments
Published on: 31. Juli 2008

howisch

 

Hier mein Bericht, ich wollte ja eigentlich noch mit Nippes bis zum 3.8. in den Bergen bleiben…

Am 25.7. ging es also bei mir los in Richtung Tirol. Nach einer recht problemlosen Autofahrt kam ich nach ca. 7Stunden und 680km an. Leider hatte es dieses Jahr nicht mit dem Rauthof geklappt und so mußten Nippes und ich ins Hotel Kögele in Axams ausweichen.

Da Nippes schon in aller Herrgottsfrühe los gefahren war und schon seine erste Runde drehte, machte ich mich nach dem Einchecken und nachdem ich das Rad wieder montiert hatte auf eine kleine 20km Testrunde. Die Technik paßte ebenso wie mein Gewicht. Bei der Anreise waren es 72kg und so konnte ich einigermaßen entspannt dem Tour-Ötzi am nächsten Tag entgegen sehen.

Abends trafen Nippes und ich uns dann noch mit den meisten der 10 Teilnehmer des Ötzi`s beim Abendessen und besprachen noch einmal die Tour und das Wetter für den kommenden Tag. Alle Wetterberichte zeigten nur beste Bedingungen für den Samstag an. Nippes meinte sogar das wir am Timmelsjoch im unteren Teil mit annähernd 30° zu rechnen hätten und „kurz – kurz“ vollkommen ausreichend wäre, zumal für Höhen über 2000m immer noch über 15° voraus gesagt wurden.

Also ging es am nächsten morgen um 7Uhr „kurz – kurz“ von Kematen aus los. Wie im letzen Jahr beim Liga-Ötzi fuhren wir bis zum Brenner bzw. bis nach Sterzing als Gruppe und es lief bei optimalen Temperaturen alles harmonisch und gut.

Alles? – Leider bei mir nicht zu 100 Prozent, denn am Brenner hatte ich kurz nach einer Pinkelpause einen Speichenbruch am Hinterrad, natürlich auf der Antriebsseite. Da die Eurus-Laufräder in so einem Fall nur recht wenig Seitenschlag aufweisen und man nur die Bremse etwas korrigieren bzw. öffnen muß, machte ich mich auf die Verfolgung der Gruppe, die ich dann auch kurz vor dem letzten steileren Stück wieder erreichte. Natürlich hatte ich danach ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, denn sollte sich jetzt noch eine Speiche verabschieden hätte das wohl das Ende der Tour bedeutet. Also schaute ich auf dem Rest der Strecke besonders intensiv auf die Straßenverhältnisse und bemühte mich darum besonders Material schonend zu fahren.

Am Jaufenpass fuhr ich dann zusammen mit Nippes und Settembrini vorne raus und es machte richtig Spaß da mit einer HF von ca. 150 hoch zu kurbeln. Oben warteten wir bei einer längeren Pause auf die anderen Kollegen um uns danach abwärts, auf den Weg nach St.Leonhard zu machen. Auf den letzen Kilometern der Abfahrt bekamen wir überraschender Weise ein paar Regentropfen ab, denen wir aber wenig Beachtung schenkten zumal es um die 25° hatte.

Das Timmelsjoch hoch waren wir dann wieder zu dritt und es lief bei mir weiterhin alles bestens. Der Puls war okay und die Beine machten ebenfalls keine Probleme. Allerdings bemerkten wir das es in der Ferne, in Richtung Jaufen an zu donnern anfing. Das bereitete uns allerdings keine Kopfzerbrechen, da wir ja nach dem Tunnel am Timmelsjoch den Alpenhauptkamm überschritten hätten und somit eventuelle Schauer und Gewitter hinter uns lassen würden.

Kurz vor dem Tunnel, am Ende des Anstiegs bei 15° fielen dann ein paar Regentropfen aber was juckte uns das jetzt noch! Um so größer war der Schock als wir aus dem Tunnel kamen! Es schüttete wie aus Eimern und die Temperaturen fielen rapide. Zu dieser Zeit waren es max. 9° und es wurde noch kälter.

Klitschnaß und zitternd am ganzen Körper ging es vom Joch runter. Den Gegenanstieg sehnte ich mir förmlich herbei um wieder etwas auf Temperatur zu kommen. Das half aber auch nur kurzzeitig und so setzte ich all meine Hoffnungen auf Sölden. Die Kurven waren jetzt natürlich mit Vorsicht zu genießen, was uns ein entgegenkommender Motorradfahrer, der sich in einer 180Grad Kehre ablederte noch einmal drastisch verdeutlichte.

Nächstes Jahr werde ich 50, aber dermaßen gefroren habe ich bisher noch nie in meinem Leben. Das Zittern war bei mir so stark, daß ich selbst den Lenker nicht mehr richtig gerade halten konnte, obwohl es zwischendurch auch wieder trockener wurde. Als wir endlich kurz vor Sölden waren, prasselte der Regen aber wieder mit voller Stärke und der Polar zeigte 14° an.

Es ging nicht mehr, ein weiterfahren hätte bei mir bedeutet mindestens die nächsten Tage voll abzuschreiben. Selbst in der Söldener Tankstelle hatte ich noch am ganzen Körper Gänsehaut und ich bibberte wie Espenlaub. Da half auch nicht der Handfön auf der dortigen Toilette den ich ausgiebig laufen ließ. Aber auch Nippes und Settembrini war der Spaß vergangen und als ich sagte, daß mir die Gesundheit wichtiger sei und ich die Hälfte der Taxikosten übernehmen würde waren die Würfel gefallen, zumal es draußen immer noch schüttete.

Mit einem Bulli ging es also zurück Richtung Hotel. Der Fahrer stellte die Klimaanlage auf 25° ein und als wir dann nach einer Stunde Fahrt wieder in Kematen/Axams eintrafen war wir wieder trocken und bei mir hatte zumindest das Zittern aufgehört. Nach einer ausgiebigen, kochend heißen Dusche ging es dann einige Stunden später zum Essen in den Rauthof. Auch alle Fahrer nach uns hatten abgebrochen, bis auf einen der für alle Wetterkapriolen etwas im Rucksack dabei hatte, allerdings auch das Kühtai ausgelassen hatte und durchs Inntal zurück gefahren war.

Beim Abendessen kamen wir alle wieder zu Kräften und auch der darauf folgende Sonntag lief bei mir wieder sehr gut. Da waren allerdings nur mehr Nippes und ich unterwegs und machten bei besten Wetter eine 95km Tour mit 1750hm. Also dachte ich mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein.

Am Montag hatten Nippes und ich eine 140km Runde mit 3600hm auf dem Programm, aber irgendwie lief es bei mir nicht richtig. Die Muskeln machten eigentlich keine Probleme, wesentlich stärker schmerzten die Gelenke und Sehnen. Als Ursache hatte ich die niedrigen TF in Verdacht, die man ja gezwungener maßen an den Alpenpässen auch über Stunden fahren muß.

Für den letzten Dienstag hatten wir uns dann eine Rekomrunde vorgenommen und es lief auch zunächst ganz passabel. Zum Ende hin war dann aber fast die Luft raus und mein Puls der auf dem Rad fast immer in dem Bereich von Nippes liegt war jetzt um mehr als 20 Schläge höher als bei ihm.

Nachmittags habe ich noch etwas am Rad geschraubt, als ich dann jedoch aufs Zimmer kam mußte ich mich erst mal 10 Minuten hinsetzen, so platt war ich. Eine Stunde später rief ich Nippes an, der nachdem er seine Hand auf meine Stirn legte große Augen bekam, aufgrund der gefühlten Temperatur. An der Rezeption lieh ich mir dann ein Fieberthermometer und war wenig überrascht als dieses 38,5° anzeigte.

Die Erkältungs- oder Grippesymptome fehlten allerdings und so ging mein Verdacht Richtung bakterielle Blasen- und Nierenentzündung womit ich seit Jahren immer mal wieder einen Kampf auszutragen habe, vor allen Dingen in der kalten Jahreszeit. Gott sei Dank kam Abends dann noch ein Arzt im Hotel vorbei und meinte nach einer entsprechenden Urinprobe und meiner Vorgeschichte, daß die ersten Anzeichen recht eindeutig seien. Er verschrieb mir dann ein Breitband–Antibiotikum. Bei einem höllischen Gewitter mit orkanartigen Böen und umstürzenden Bäume machte sich dann Nippes noch auf den Weg nach Innsbruck und besorgte mir noch das Medikament. Nochmals tausend Dank dafür!

Das war’s dann mit meiner Radsportwoche. In der Nacht ging das Fieber zwar noch auf 39,5° hoch, gestern morgen war es dann bei 38,1° und ich hatte wenigstens etwas Appetit. Nachdem es sowieso die letzte Nacht im Hotel Kögele war, packte ich dann meine Sachen zusammen und machte mich auf den Heimweg. Die fast 700km lange Autofahrt war auch nicht ohne, jedenfalls habe ich noch nie bei 28° Außentemperatur mit Gänsehaut im Auto gesessen, obwohl die Klimaanlage auf 24° stand.

Heute ging es zu Hausarzt, der mir nach dem Durchchecken auch noch mehrere Blutproben abnahm. Die Ergebnisse bekomme ich dann morgen. Momentan habe ich nur noch etwas erhöhte Temperatur, die Medikamente scheinen langsam anzuschlagen. Allerdings habe ich auch nur noch 70kg bei 1,83m Größe, was allgemein ja gar nicht mal so schlecht wäre.

Mir tut es natürlich besonders für Nippes leid, der sich eine Menge Mühe mit der Planung unserer dortigen Touren und der Hotels gemacht hat. Alleine die Routen abzufahren ist sicherlich nicht ganz so prickelnd. Aber, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, mal wieder die A….-Karte gezogen.

No Comments - Leave a comment

Leave a comment


Welcome , today is Dienstag, 22. Mai 2018