FÖ 2011 – echter 50er

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Published on: 20. Juli 2011

echter 50er

 

@Frühaufsteher: netter Bericht. Auch für mich, der ich dabei war – und dann doch wieder nicht…

Zitat Zitat von Frühaufsteher Beitrag anzeigen
Los geht’s, und gleich den Brenner raufgebrannt. Ich dachte ja immer, Brenner raufwärts mit 30er Schnitt wäre eine schamlose Übertreibung. Ist es aber nicht. … Das Tempo ist wohl auch der Grund, warum wir im Anstieg schon den ersten der Gefährten an den Berg verlieren. Aber vielleicht stimmt ihn das Opfer gnädig, und das drohende Gewitter verschont uns?
..

Aha! So war das also gedacht. OPFER? Soso?

Da hat der Berg aber schwer an seinem ihm dargebotenen Opfer zu kauen gehabt. Oben am Jaufenpass war ich ihm dann zu zäh und er hat mich widerwillig wieder ausgspuckt.

Dass ihm dann stattdessen Naepfelchen zum Opfer fiel, habe ich natürlich nicht gewollt. Auch von mir an dieser Stelle mein Mitgefühl und die besten Wünsche zu Deiner alsbaldigen und rückstandsfreien Genesung!

Ja, gleich den Brenner hoch(!) ging’s wirklich zur Sache. Für einen Moment war ich ja versucht, mitzuhalten. Als aber mein Rox mir zusätzlich zu der ordentlichen Geschwindigkeit noch fast das Doppelte der Steigrate anzeigte, die ich eigentlich nicht übersteigen wollte, war mir klar, dass ich bestenfalls, wenn überhaupt, noch mit Ach und Krach bis oben zum Brenner mitkommen würde und dann schon die Luft raus wäre. Also habe ich die Meute ziehen lassen und eine langsame Gruppe aufgemacht, die allerdings nur aus mir selbst bestand. War auch keiner, den ich hätte aufsammeln können. Also musste ich mir meinen Windschatten alleine machen, was aber nicht so wahnsinnig schlimm war, denn mit meiner Steigrate war das Tempo bergauf ohnehin begrenzt. So bin ich also dann ganz gemütlich meinen Stiefel gefahren und kam schließlich mit reichlich Verspätung, aber dennoch ganz zufrieden mit dem bis dahin schönen Wetter und halb zufrieden mit mir selbst, weil ich nicht so ganz den richtigen Rhythmus finden konnte, oben an der zweiten Station am Jaufen an, wo ich mir genüsslich eine Pause mit Apfelstrudel und heißer Schokolade gönnte, nicht ohne vorher einen Blick hinunter auf die vor mir liegende Strecke und in Richtung Timmelsjoch zu werfen.

Das geht da ja weit nach UNTEN – und von der Streckenplanung wusste ich, dass es zum Timmelsjoch noch weiter nach OBEN(!) gehen musste Und das Wetter in die Richtung sah schon nicht mehr so ganz überzeugend aus. So richtig schlimm aber eigentlich auch nicht.

Als ich dann wieder meine Kräfte gesammelt und mich zur Weiterfahrt ‚beyond the point of no return‘ entschlossen hatte (Kühtai würde ich dann wohl ausfallen lassen müssen), musste ich noch mal ganz kurz ein stilles Örtchen aufsuchen. Bei meiner Rückkehr dachte ich, mich trifft der Schlag. Draußen dämmerte es, dass ich dachte, ich hätte mich in der Uhrzeit vollkommen vertan, Sicht nicht mehr als 10m, heftige Sturmböen, voll aufgedrehte Dusche, die so kalt war, dass auch Gefrorenes untergemischt war. Und alles aus der Richtung kommend, wo ich eigentlich hin wollte. Foto machen war sinnlos. Nach kurzem Zögern, ob ich vielleicht abwarten sollte (aber wer weiß, wie lange das dauert?), dann die Entscheidung doch umzudrehen und den Weg zurück zu nehmen, den ich hergekommen war. In die Richtung sah es noch(!) etwas heller aus. Was soll ich sagen, eine besch…ene Abfahrt. Das Mistwetter kam mir hinterher.

Erst ab dem Brenner oben wurde es dann wieder angenehmer. Die Abfahrt runter nach Innsbruck war der Hammer! Liebliche Temperatur, herrliches Wetter und ein Föhn, der mir von hinten Antrieb gab. Welches Tempo ich da gefahren bin, kann ich nicht sagen, weil mein Rox gleich oben am Jaufen nach ein paar Metern Volldusche abgesoffen war. Aber Autos und Motorräder haben mich eher selten überholt und ich war in Nullkommanix in Innsbruck. Das hat richtig Spaß gemacht!.

Beim Ansteuern von Kematen sah ich dann über dem Kühtai die dicken Gewitterwolken hängen

und war ganz froh darüber, gerade noch in letzter Minute die Kurve gekriegt und umgedreht zu haben. Ein bisschen Frust war allerdings auch dabei. So platt wie ich gedacht hätte, fühlte ich mich eigentlich gar nicht. Zu meiner Überraschung war ich der Erste zurück. Freilich hatte ich natürlich auch nur etwa zwei Drittel der Strecke und deutlich weniger als die Hälfte der Höhenmeter hinter mir. Außerdem waren die andern, wie mir dann später berichtet wurde, eine Weile aufgehalten, bis Naepfelchens Situation so weit geklärt war.

Das anschließende Essen fand in einer sehr netten Runde statt. Was manche verdrücken können, ist ja unglaublich! Der Tisch bog sich unter der Last der Rauthhofplatten. Da ging doch auch noch glatt das alkohohlfreie Weißbier aus, weil die ganzen Radler innerhalb kürzester Zeit davon mehr weggesoffen haben, als der Rauthhof sonst in einem ganzen Monat ausschenkt. Gesprächsthema war natürlich unter anderem Naepfelchens Unfall und Frühaufstehers selbstlose Hilfsbereitschaft, Naepfelchen ‚da raus zu holen‘, die anerkennend gewürdigt wurde.

Die kommende Nacht schlief ich wie ein Stein und wurde erst durch heftiges Poltern an meiner Tür – ich glaube es war Kameko – geweckt, weil ich kurzfristig das Zimmer räumen sollte. Nach superkurzem Frühstück und Zusammenraffen meiner Sachen trennten sich dann unsere Wege und ich bin erst noch mal beim Bäcker Rütz zu einem Genussfrühstück eingekehrt. Da ist ja vielleicht was los sonntags vormittags zwischen 10 und 11! War superlecker. Und das Wetter war fantastisch. Also noch einen Tag dranhängen.

Es hat mächtig in den Beinen gejuckt, gleich wieder auf’s Rad zu steigen. Das habe ich mir aber erst mal verkniffen, denn meine Schuhe waren noch triefend nass, und wenn, dann wollte ich nur eine kurze Tour und eigentlich lieber am Timmel fahren. Ich also mit dem Auto übers Kühtai und dann das Ötztal hoch getrödelt. Meine Schuhe sind nicht trocken geworden und oben in den Bergen hat es auch schon wieder gebrodelt. So bin ich dann am Nachmittag in Obergurgl angekommen. Zum Timmel hoch alles wolkenverhangen und die Schuhe immer noch nass. Also nichts mehr mit Radfahren an dem Tag. Ich habe mich dann für eine Nacht in ein Hotel einquartiert und den Rest des Tages einfach nur in der Gebirgsumgebung entspannt. Temperatur in fast 2000m Höhe immer noch 14°C. Sauna mit Alpenpanorama hat was. Und Kuhglocken können unwahrscheinlich beruhigend klingen. So gegen 18Uhr kam dann die Kaltfront mit Regen durch.

In der Nacht dann sehr erholsamer Schlaf. Morgens beim Blick aus dem Fenster: Graupel.
Schneefallgrenze in Höhe der Kirchturmspitze. Die Berge ringsum weiß.

Immer noch Suppenküche am Timmel. Naja, vielleicht lichtet es sich noch im Laufe des Tages. Also noch weiter rumtrödeln und zuwarten. Meine Schuhe sind inzwischen wieder trocken, weil das Hotel die Skischuhtrockenanlage im Sommer für die Wanderschuhe in Betrieb hat. Die Berge werden wieder grün, die Wolken werden immer wieder abwechselnd lichter und dichter, aber immer trocken, kein Regen.
Allerdings bleibt es ab Mautstation Hochgurgl permanent zu.

Irgendwann beschließe ich, wenigstens noch ein bisschen mit dem Rad zu fahren und begebe mich mit dem Auto zu einem Startplatz etwas weiter unten, damit sich der Anlauf zum Timmel auch lohnt, in der vagen Hoffnung, dass ich bei dem Hin und Her der Wolken vielleicht Glück haben könnte und es just in dem Moment aufreißt, wo ich die Mautstation passiere. Ansonsten könnte ich halt an der Wolkengrenze umdrehen, bzw. solange es nicht zu nass ist, weiter hoch und mit etwas Glück über die Wolken kommen, als Rückzugsmöglichkeit immer die Abfahrt zurück im Auge behaltend. Ich bin gerade zum Losfahren bereit, als die ersten Tropfen fallen. Mist, also noch den kurzen Schauer abwarten, aber dann… .

Nur, ‚kurz‘ ist nicht, und ‚dann‘ ist auch nicht. Der Regen wird einfach immer heftiger. Also packe ich wieder ein und mache mich schließlich endgültig auf den Heimweg. Kalte Dusche hatte ich genug am Samstag. Timmel sollte für mich einfach nicht sein dieses mal, weder von der einen noch von der anderen Seite.

Aber Spaß hat es irrsinnig viel gemacht, trotz all dieser Widrigkeiten, und ich bin sicher, dass das nicht mein letzter Anlauf war. Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, dass die Tour an einem Wochentag zu fahren wesentlich entspannter wäre, weil dann vielleicht nicht ganz so viele Autos und losgelassene Motoradfahrer unterwegs sind, die für Hektik und stinkige Luft sorgen.

Gerne wieder!

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