FÖ 2011 – Frühaufsteher

Comments: No Comments
Published on: 17. Juli 2011

Frühaufsteher

 

 

Tja, rumpelmännchen – extra für dich hab ich (als Ötzi-Neuling) die Runde zusammengeschrieben. Und wenn Du das gelesen hast, fährst Du das nächste mal einfach mit.

Also: Prolog:

Erstes Mal Ötzi, zum Glück in der freundlichen FÖtzi-Variante. Kleiner Mann, dicke Beine, große Berge – kann das gutgehen? Noch dazu ein Haufen Irrer Typen dabei, keiner vermutlich unter 10tkm/Jahr. Und ich. Dieses Jahr grad Mal zweitausend. Ich bin beunruhigt.

Überraschenderweise ist die Runde, die beim Bäcker sitzt, erfreulich nett. Ein paar davon kenn ich ja schon, noch netter.

Beim Losfahren lächeln alle über meinen Nabendynamo, bemerken deswegen aber nicht, dass ich (viel schlimmer, Sakrileg!) mit dreifach unterwegs bin.

Brenner

Los geht’s, und gleich den Brenner raufgebrannt. Ich dachte ja immer, Brenner raufwärts mit 30er Schnitt wäre eine schamlose Übertreibung. Ist es aber nicht. Zum Glück wird allseits akzeptiert, dass ich unter diesen Bedingungen nicht vorn fahren kann. Das Tempo ist wohl auch der Grund, warum wir im Anstieg schon den ersten der Gefährten an den Berg verlieren. Aber vielleicht stimmt ihn das Opfer gnädig, und das drohende Gewitter verschont uns?

Oben an der Tanke wird Wasser und Nahrung nachgefüllt. Wasser gibt’s im Überfluss, zu Lasten des Angstbremsers, der jetzt gar nicht mehr in den Regen kommen muss, um nasse Füße zu bekommen.

Runter kommt man ja immer, da kann man bis zur nächsten Steigung das Hirn weitgehend ausschalten. Ist eh besser, beim Bergabfahren.

Jaufen

Also dann, Jaufen. Harmlos, sagen die anderen. Von wegen. Zieht sich, alle anderen fahren vorneweg. Zum Glück zahlt sich Beharrlichkeit und ein verhaltener Start aus, und ich komm doch nicht als letzter oben an. Immerhin.

Der Jaufen runter ist deutlich witziger. Allerdings nicht für alle Gefährten. Während ich vorneweg versuche, schneller als die Autos zu sein, passiert leider hinten ein Unglück, von dem wir erst erfahren, als alle schon unten sind. Unser gelassener und eigentlich anbsolut abfahrterprobter Alurahmenfahrer muss nach einer engen Kurve entdecken, dass die Straße bereits vollständig belegt ist, weil schwachsinnige ungarische Leiharbeiter schwachsinnigerweise schwachsinnige deutsche Blödeltouristen in der Kurve überholen.
Ohne Straße fährt sich’s schlecht, also gibt es einen ziemlich derben Einschlag, der Schulterblatt, Lenker und Vorderrad zerbröseln lässt. Ein paar Rippen müssen auch dran glauben.

Immerhin hat er unseren Organisator noch selbst anrufen können und „Rad und Mann kaputt“ durchgeben können. Wir beratschlagen unten eine Weile, dann kommt ein Rennradpärchen vorbei und berichtet uns, daß der Sanka unseren Freund eingeladen hat, mitzufahren. Immerhin müsste er damit in Sicherheit sein. Naja, erstmal können wir jetzt eh nichts anderes machen, also weiter. Das ungute Gefühl im Hals bleibt aber.

Timmels

Auch ziehen allmählich Wolken auf, also können wir das Timmelsjoch nicht länger warten lassen.
Tja, was soll man sagen – rauf ist halt rauf. Na gut, das TJ geht etwas mehr rauf, als andere Pässe. Also schon deutlich mehr rauf. Aber wenn man erstmal die Waldgrenze verlassen hat, wird man durch grandiose Anblicke entschädigt, die das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht verschwinden lassen. Schließlich sind nur noch die letzten Serpentinen über einem, und man ist dem Himmel ziemlich nah.

Leider zeigt sich die Nähe zum Himmel auch in der Nähe zu den Wolken, und mit der Angst vor echtem Regen im Nacken geht es auch aufwärts etwas schneller. Durchs Tunnel am TJ bin ich doch froh um meine Beleuchtung, ich denke, auch die nächste Ötztaler-Runde darf das belächelte Vorderrad mitfahren.
Unverschämterweise kommt ja nach der viel zu kurzen Abfahrt NOCH mal eine Steigung?! Wer hat das erlaubt? Na gut, zum Glück haben wir ja sagenhaften Rückenwind, und die unerschrockensten Fahrer dringen in gut dreistellige Geschwindigkeitsbereiche vor. Ich nicht, 90 reichen.

Runter ist die Gruppe ziemlich auseinander gezogen. Die Abfahrt macht Laune, der Asphalt ist gut und trocken. Die wenigen Tropfen, die uns oben erwischt haben, sind schnell getrocknet.

Kühtai

In Sölden ist wieder Gruppenzusammenführung. Jetzt weiß ich auch, wer „der Bäcker“ ist. Letzte Stärkung vor dem letzten und gemeinsten Pass. Nun meldet sich auch unser Unfallopfer und die zerbrochene Schulter. Meraner Krankenaus! Nach einigem hin und her ist klar, dass irgendjemand ihn abholen muss, damit Rad und Opfer irgendwie wieder heimkommen. Aber das Auto steht in Kematen, und dahin kommt man nur über das Kühtai. Also wieder los. Die Alternativen „Eisenbahn“ und „Inntal“ kommen aus moralischen Gründen nicht in Frage.

Den Weg von Sölden nach Ötz legt man offensichtlich normalerweise im D-Zug zurück. Geht fix und macht Spaß. Leider muss ich unterwegs wegen eines gar menschlichen Rührens zwischendrin aussteigen, und bis alles erledigt ist, ist der Zug seit 20 Minuten abgefahren.

Also das Kühtai alleine und als Letzter rauf. Freundlicherweise gesellt sich auch noch der kleine Bruder vom großen Gewitter dazu, muss ich wenigstens später nicht duschen. Das Kühtai ist der einzige von den drei Pässen, den ich schon ein paar mal gefahren bin, also weiss ich (leider), was mich erwartet.

In den ersten Kilometern überlege ich noch, ob ein rasches Dahinscheiden nicht doch eine Alternative wäre. Aber wenn schon im Sattel dahinscheiden, dann unverhofft, unschuldig und final. Und das geht nur bergab. Also weiter.

Überraschenderweise ist es dann diesmal gar nicht ganz so schlimm, vielleicht weil ich es mir besser einteilen konnte? Ab dem Steilstück nach Ochsengarten beginnt der Pass sogar, richtig Spaß zu machen. Der Regen hat auch aufgehört, und ich sehe ein paar Spuren von meinen Kollegen, weiss also, daß ich gar nicht so weit zurück liege.
Kühtai runter ist ja eigentlich ein herrlicher Abschluss, aber die nassen Straßen bremsen den Übermut ein wenig. Zurück beim Bäcker in Kematen sind die meisten anderen aber doch schon weg, da war der Abstand wohl doch etwas größer. 20 Minuten holt man (ich) halt doch nicht auf.

Epilog

Tja, jetzt müssen wir uns nur noch um den verletzten Kollegen kümmern. Also ins Auto, und gschwind nach Meran. Die Klink schaut für italienische Verhältnisse erfreulich gut aus, der Kollege hingegen deutlich lädiert. Das Radel leider auch, insbesondere das schöne handgespeichte Vorderrad. Der Helm gespalten. Junge, junge, was für ein Einschlag. Das hätte auch sehr böse ausgehen können. Helm tragen lohnt.

Um zwölf waren wir wieder in Kematen, um zwei zu Hause.

Einer der Tage, für den es sich lohnt zu leben! Wenn das jetzt noch ohne Opfer abginge….

No Comments - Leave a comment

Leave a comment


Welcome , today is Dienstag, 22. Mai 2018