FÖ 2006 – ginnys Bericht

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ginny

Hier mein Erlebnisbericht (hoffe dass ich nicht auch als Schwätzerin beschimpft werde):

7:20 Start in Kematen, legen gleich in flottem Tempo los, in Innsbruck ist mein Puls schon bei gut 160 – das ist zu viel, also Ruhe bewahren und abreißen lassen, ansonsten kann ich den Rest der Strecke spätestens ab Jaufen vergessen. Zwanzich, Joseluis und Beezle sind noch hin und her gerissen, ob sie fahren oder bleiben sollen – danke Jungs, das war echt nett, aber jeder muss sein eigenes Tempo fahren – das haben sie dann auch gemacht.

Genieße zunächst die noch relativ ruhige Auffahrt mit Vogelgezwitscher und wenig Verkehr. Irgendwann gibt’s Gegenwind (oje, da dauert es ja noch länger bis ich oben bin), da kommt die Unterstützung in Form eines Traktors mit Hänger und 35 km/h gerade recht als Grupetto-Ersatz. Kann im Windschatten bis Gries mitfahren – klasse, da hole ich ja wieder ein bißchen auf! Bis zum Brenner hoch nimmt der Verkehr jetzt aber mächtig zu. Zwanzich, Joseluis, Beezle und Andrea warten dort auf mich – machten sich Sorgen, da ich ja schon 10 Minuten überfällig war (vom Windschattenfahren sag ich jetzt mal lieber nichts, ich will mich ja nicht ganz blamieren ). Die gemeinsame Abfahrt nach Sterzing macht echt Spaß!
Treffen in Sterzing auf Hatti, der hat heute schon das Penser Joch bezwungen und macht noch ne kurze Pause.

Naja, am Jaufen muss ich natürlich wieder ziemlich schnell abreißen lassen und es kommt wie es kommen musste. Zuerst überholt mich Hatti und dann im 10-Minuten-Takt die versprengte 8-Uhr-Fraktion in Minigrüppchen doch etwas früher als ich erwartet hatte. Versuche mich dadurch nicht zu sehr demoralisieren zu lassen – so hatte ich wenigstens die Gelegenheit, die „Powerschinken“ alle mal kurz im Vorbeifliegen kennenzulernen. Und dann steht da plötzlich einer da und hält mir eine Kamera vor die Nase – ich checke erst mal gar nichts (soll ich ihn denn jetzt fotographieren? – nein, es ist Mess und er will ein Foto von MIR machen – damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet). Oben am Jaufen angekommen ist erst mal Fotosession, dann Aufregung weil Pinguin „abhanden“ gekommen ist. Ist wohl der einzige, der mich noch nicht überholt hat. Nach Stärkung mit einem wunderbaren Apfelstrudel stürze ich mich in die Abfahrt nach St. Leonhard, dem gefürchteten Timmeljoch entgegen.

Beim „Entkleiden“ holt mich Pinguin auch noch ein (erkenne ihn gleich an seinem gelben Rucksack). Wir fahren gemeinsam weiter – und wen wundert’s, natürlich ist Pinguin auch schneller als ich, wartet wieder auf mich, beschließt dann doch mit mir gemeinsam zu fahren: „ich bin ja doch höchstens einen halben km/h schneller als du“ – das ist wahrscheinlich die Untertreibung des Jahres, aber sei’s drum, eigentlich ich bin doch froh, dem Timmeljoch nicht ganz alleine ausgeliefert zu sein (ob ich ohne dich auch so gut durchgehalten hätte, weiß ich nicht – danke!). Und allmählich wird’s hart – erreiche langsam die Grenze dessen, was ich bisher an hm an einem Tag gefahren bin.

Und dann der Blick auf die Wand: bitter, furchterregend und gleichzeitig DIE Herausforderung – will ich da allen Ernstes hoch? JA, umkehren gibt’s nicht (und Kühtai kann ich ja immer noch auslassen). Ich kämpfe mich so langsam hoch – Pinguin macht ne kurze Pause, ich fahre weiter, trau mich nicht anzuhalten, lasse auch die Wasserstelle rechts liegen (das war ein Fehler) – es beginnt zu regnen: ganz große Tropfen, eher eine Erleichterung als störend – wo bleibt Pinguin, er müsste eigentlich schon längst wieder da sein – fahre weiter und halte Ausschau nach ihm, kann ihn aber nicht entdecken – der Regen hört wieder auf, fahre noch einige Serpentinen, halte jetzt doch an: was ist los? soll ich zurückfahren? als ich noch überlege sehe ich ihn plötzlich doch unter mir – Erleichterung! – fahre weiter und innerhalb von 10 Minuten hat er mich auch schon eingeholt. Der Rest ist Kampf mit dem inneren Schweinehund, es ist einfach nur steil, Durst, habe kein Wasser mehr, mein Magen knurrt, Sch… – warum mache ich das eigentlich? – und plötzlich ist der Tunnel da (sogar mit blinkender Beleuchtung – das passt, mein Licht hat nämlich den Geist aufgegeben) und schon bin ich oben – fertig mit mir und der Welt.

Pinguin wartet auf mich, Anziehen und weiter. Jetzt kommt das Geilste des ganzen Tages – die Abfahrt – düse hinter Pinguin her, es ist fast wie ein Rausch – bei 86,4 km/h schaltet sich mein Gehirn wieder ein – wow, so schnell war ich noch nie! Der Gegenanstieg, auch wenn’s nur 120 statt 150 hm sind, tut nochmal richtig weh … Pinguin ist schon gar nicht mehr zu sehen, wartet an der Mautstelle mit Wasser auf mich – wundervoll, das Leben ist schön!

Und schon geht’s weiter im Höllentempo nach Sölden. Dort versorgt mich Pinguin noch mal mit Wasser und einem Not-Riegel: was hätte ich bloß ohne dich gemacht! Meinen knurrenden Magen beruhige ich an der Tanke.

Frisch gestärkt gehe ich den letzten Teil des Tages an: Was tun? Kühtai oder außenrum? Nein, ich kann mir nicht vorstellen jetzt nochmal 1200 hm das Kühtai rauffahren, das ist einfach zu viel! Aber kann ich heimkommen und sagen, ich hab’s nicht geschafft? Nein, das geht auch nicht.

Also freunde ich mich den Rest der Abfahrt bis Oetz mit dem Gedanken an, mich doch noch über’s Kühtai zu quälen. Schlimmer als TJ kann’s auch nicht sein. Also, in Oetz rechts ab und gleich geht’s hoch (wenn’s schon am Anfang so steil ist, dann kann’s ja nur noch besser werden) – denkste, das zieht sich ganz schön hin. Mein Wasser ist schon wieder zu Ende! Ochsengarten, Wasser auffüllen, und dann das Steilstück – nein, ich steige nicht ab, ich fahre und fahre, werde immer langsamer, teilweise knapp 5 km/h, wie lange geht das noch? Aber ich halte durch, endlich das Ende des Steilstücks – und wer kommt denn da, ein Blick nach links, das Auto hab ich doch schon mal gesehen – Pinguin baut mich nochmal auf („das Schlimmste hast schon geschafft!“) und weiter. Dann noch eine Kraftanstrengung, die letzten Meter hoch zum Stausee. Aber das ist doch noch nicht das Ende, oh nein… also wieder weiter bis zu den ersten Häusern: endlich geschafft! – fahre um die Kurve, blankes Entsetzen: das darf nicht wahr sein, da geht’s ja nochmal ne steile Rampe hoch – womit hab‘ ich das verdient? Fahre im Zeitlupentempo hoch, jetzt bin ich aber wirklich platt! Fahre wie im Traum in der beginnenden Dämmerung nach Kematen ab, müssen die Kuhfanggitter wirklich sein?

21:20 Ende der Höllentour
Noch kann ich’s gar nicht fassen, ich hab’s wirklich geschafft!!! Wie habe ich das eigentlich gemacht?

Der gemütliche Ausklang in Unterperfuss war der würdige Abschluss eines erfolgreichen Tages. Jetzt kann ich mich endlich mal richtig mit meinen Mitstreitern unterhalten!

Beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Tag kommt schon leicht Wehmut auf. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei und hoffe, dass sich auch noch ein paar andere Mädels dazugesellen!

Jetzt daheim stellt sich ein Glücksgefühl ein, das ich noch nie erlebt habe. Ich schwebe … sollte mal schauen, dass ich mit den Beinen wieder auf den Boden der Tatsachen komme Das ist Motivation pur!

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